16. Juli 2016

Hamburg: Alte Landstraße wurde gezähmt

Hamburg: Alte Landstraße going to be tamed step by step


Alte Landstraße / Grevenau seit Umbau - © Stefan Warda


Wenig erfreut sind Hamburgs überzeugte Autofahrer und die CDU über den Umbau der Alten Landstraße in Poppenbüttel. Die Alte Landstraße galt bis vor wenigen Jahren noch als innerstädtische Rennstrecke, ausgestattet mit vier Fahrspuren, Tempo 60 und einer Fakeradwegbentzungspflicht. Von Ohlsdorf führt der Straßenzug vom Bezirk Nord - zunächst als Brombeerweg - in den Bezirk Wandsbek Richtung Nordosten durch ein Villengebiet. Der Radverkehrsanteil auf der Straße war bislang eher gering. Das lag zu einem gewissen Teil am üblen Zustand der Radverkehrsanlagen. Denn jahrelang bemühten sich die beiden Bezirke Nord und Wandsbek nicht um den Unterhalt der vorhandenen "Radwege". Diese verlotterten bis zur Unkenntlichkeit, trotz "Radwegbenutzungspflicht". Es gab zahlreiche blaue Schilder, nur keine dazu passenden echten Radwege.


Alte Landstraße / Grevenau vor Umbau - © Stefan Warda


Im Rahmen einer Grundinstandsetzung der Alten Landstraße (auf Wandsbeker Gebiet) wurde die Fahrbahndecke zwischen Emekesweg und Poppenbütteler Weg erneuert. Der Radverkehr erhielt in dem Abschnitt auf der Fahrbahn markierte Radfahrstreifen. Die ehemaligen "Radwege" wurden aufgelassen, den Gehwegflächen zugeschlagen oder in Parkbuchten umgewandelt.



Alte Landstraße / Grevenau nach Umbau - © Stefan Warda

Alte Landstraße / Grevenau vor Umbau - © Stefan Warda

Alte Landstraße / Grevenau seit Umbau - © Stefan Warda

Alte Landstraße / Grevenau vor Umbau - © Stefan Warda

Alte Landstraße / Emekesweg nach Umbau - © Stefan Warda

Alte Landstraße / Emekesweg vor Umbau - © Stefan Warda


Der Charakter der Alten Landstraße hat sich durch den Umbau erheblich verändert. Die frühere Rennstrecke, auf der auch gern schneller als mit dem zugelassenen Tempo 60 gefahren wurde, wurde zu einer Stadtstraße gebändigt. Radfahrer können im umgestalteten Abschnitt die vorhandenen Radverkehrsanlagen benutzen. Die Zeit, zu der nahezu alle Radfahrer neben unbenutzbaren Fakeradwegen auf Gehwegen radelten, ist vorbei. Die Fortsetzung des Umbaus der Alten Landstraße Richtung Süden ist daher wünschenswert.


Alte Landstraße, Ausbauende beim Emekesweg Richtung Süden - © Stefan Warda


Der Umbau der Straße reiht sich ein in laufende oder schon durchgeführte Umbauten von Hauptverkehrsstraßen (wie etwa Alsterkrugchaussee, Bebelallee, Feldstraße, Fuhlsbütteler Straße, Luruper Hauptstraße, Neuer Kamp), bei denen inakzeptable oder vollkommen unbenutzbare "Radwege" beseitigt wurden und dem Radverkehr angemessenere Führungen gegeben werden.


Alte Landstraße, Fakeradweg - © Stefan Warda



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Kommentare:

  1. Die alten "Radwege" dort scheinen, denen Fotos nach zu Urteilen, in der Tat Humbug gewesen zu sein. Die Radelnden dort scheinen nun deutlich mehr Platz, eine bessere Streckenführung und einen ordentlichen Untergrund erhalten zu haben.

    Aber:
    Warum nicht zusätzlich auf die weiße Linie zwischen Radfahrstreifen und KFZ-Fahrbahn eine Barriere aufstellen? Muss ja nichts Weltbewegendes sein, einfach nur eine Barriere. Auf dem dritten Bild nämlich würden, wenn ichs richtig verstanden habe, Radelnde direkt neben LKW und Geländewagen fahren, die irgendwie versuchen wollen, an der Verkehrsinsel in einer Kurve vorbeizukommen. Insbesondere LKW könnten dort geneigt sein, die weiße Linie zu überfahren. Oder nicht?

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  2. Sieht immernoch aus wie eine Autobahn. Für Radfahrer nicht besonders einladend. Sogar die Konfliktstellen/Kreuzungen sind nicht besonders gestaltet (Abbiegegeschwindigkeit für PKW kann weiterhin hoch sein). Pinsellösung.

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  3. Wenn man Barrieren aufstellt, können sich Radfahrer nicht mehr überholen. Der Abstand zu den Kfz ändert sich dadurch nicht, sondern durch die Breite des Streifens, der hier sehr breit ist.
    Und warum sollten Kfz den Radstreifen befahren? Und wenn würden sie es gewiss nicht tun, wenn ein Radfahrer Diesen benutzt, siehe Studie zu Schutzstreifen. Die Einmündungsbereiche sind kleiner als vorher. Zudem werden Radfahrer vor dem Rechtsabbiegen gut sichtbar überholt und beim Einbiegen wird vor dem Radstreifen gehalten und Radfahrer und MIV sind mit einem Blick zu erfassen. Gegensatz zu der vorherigen weggeschwenkten Führung.

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    1. Auch mit Barriere könnte dort das Überholen möglich sein, wenn die Breite der neuen Radfahrstreifen 2m o. Ä. beträgt. Im Artikel ist leider keine entsprechende Angabe, weswegen es sein kann, dass Du Recht hast. Allerdings wäre ich ja für eine Barriere auf dem Streifen selbst, der ja gar nicht (auch nicht vom Lenker) überschritten werden darf, soweit ich weiß. Soll heißen: War das Überholen vorher möglich, wäre es auch mit Barriere möglich.

      Der Abstand zu den KFZ würde sich durch eine Barriere nicht ändern, das ist klar. Aber er würde für subjektive Sicherheit sorgen. Nur dann würden Eltern ihre Kinder dort alleine fahren lassen, oder nicht?

      Aus meinen Erfahrungen in Braunschweig fahren KFZ über die durchgezogene Linie, sobald sie überholen wollen, einem Hindernis ausweichen usw. Auch Busse tun das hier. Ja, auch wenn ein Radler da fährt. Und ich kann mir, wie gesagt, gut vorstellen, dass LKW und Busse im dritten Bild geneigt sein könnten weiter auszuholen, um um die Verkehrsinsel herumzukommen. Dabei könnten sie die durchgezogene Linie möglicherweise nicht als zu kritisch ansehen.

      Dass die Situation nun besser ist als vorher, schrieb ich ja. An den Einmündungsbereichen muss sich meiner Meinung nach also gar nichts ändern. Was sollten die letzten Sätze von Dir also?

      Warum bist Du gegen eine Barriere?

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    2. "Und warum sollten Kfz den Radstreifen befahren?" - Müssen sie gar nicht. Welchen Abstand halten sie denn? Insbesondere an den begrünten Mittelstreifen (3. Bild von oben)?
      "Die Einmündungsbereiche sind kleiner als vorher." - Sehe ich nicht so (5. Bild von oben). Hier sind sogar die Bordsteine weg - LKW/Busse können ungehindert mit hoher Geschwindigkeit abbiegen, ohne eine Kollision mit dem Bordstein befürchten zu müssen.
      Das Design der Straße "sagt" dem Autofahrer weiterhin: "Breite Straße - hier kann schnell gefahren werden". Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier jetzt häufiger die Höchstgeschwindigkeit eingehalten wird. Ob durch diese Maßnahme der Radverkehrsanteil steigt, muss sich erst noch erweisen.

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