18. November 2017

Stadt kündigt Neuerungen beim Winterdienst für Hamburgs Radfahrer an

City of Hamburg announced better snow clearing for cyclists

Aktualisiert um 18:31 Uhr
"Winterdienst" auf dem benutzungspflichtigem Zweirichtungsradweg der Kennedybrücke - © Stefan Warda

Nach dem Hamburger Wegegesetz gibt es keinen geregelten Winterdienst für Radverkehrsanlagen. Lediglich das Verbot, Schnee auf Radwegen zu lagern, ist im Wegegesetz enthalten. Ein mangelnder Winterdienst steht jedoch im Widerspruch zu einer angeordneten Radwegebenutzungspflicht, vor allem bei stark frequentierten Radwegen.


Kein Winterdienst auf benutzungspflichtigem Radweg - © Stefan Warda


Allererste Winterdienstversuche gibt es schon seit mehreren Jahren entlang der Veloroute 3 - mit unterschiedlich befriedigenden Ergebnissen. Seit Etablierung des Fahrradforums bei der Verkehrsbehörde gab es Überlegungen einen großräumigen Winterdienst für den Radverkehr in Hamburg einzurichten. Der erste größere Winterdienstversuch auf Hamburgs Radverkehrsanlagen wurde im Winter 2010/2011 durchgeführt - mit wenig Erfolg. Die Probleme:
  • In Hamburg darf kein Salz auf Radwegen oder gemeinsamen Geh- und Radwegen zum Einsatz kommen. Bislang wird Granulat gestreut. Zum Teil wurden bislang Räumfahrzeuge mit Rollenbürsten und Granulatstreuern eingesetzt, es kamen jedoch auch Räumfahrzeuge mit Räumschildern zum Einsatz.
  • Auch wenn es nach dem Wegegesetz verboten ist, wird gerne von Anliegern der von Gehwegen abgeräumte Schnee auf angrenzenden Radwegen gelagert.
  • Die beiden vorgenannten Kriterien führen dazu, dass sich Eis- und Schneereste in Hamburg am längsten auf Radwegen halten. Während Fahrbahnen und Gehwege nach einer Schneeperiode frei sind, bleiben Radwege - auch benutzungspflichtige - in der Regel noch tagelang vereist und unbenutzbar.
  • Vor allem Hamburgs ältere Radwege sind nicht für einen maschinellen Winterdienst geeignet. Zudem erfordert der Winterdienst auf baulich angelegten Radwegen enorme Ortskenntnisse, da unter einer geschlossenen Schneedecke der Verlauf der Radwege nicht erkennbar ist. In sehr vielen Fällen wurden in den vergangenen Jahren daher nicht die Radwege vom Winterdienst getroffen, sondern Gehwegflächen, die von Radfahrern nicht benutzt werden dürfen.
  • In Tempo-30-Zonen gibt es grundsätzlich keinen Winterdienst, auch wenn Veloroutenabschnitte im Verlauf von Tempo-30-Zonen zum versprochenen Winterdienstprogramm zählen. Dies betrifft z.B. Abschnitte der Velorouten 1 (Thadenstraße), 2 (Weidenstieg) und 3 (Hartungstraße, Rutschbahn).
  • Radfahrstreifen neben Stehzeugen werden nicht vom Winterdienst berücksichtigt, auch wenn diese zum angekündigten Winterdienstprogramm für den Radverkehr zählen. Dies wurde bislang aus Sorge um die Stehzeuge von der Stadtreinigung abgelehnt - z.B. in der Hochallee.
  • In manchen Straßenabschnitten des ausgewiesenen Winterdienstprogramms werden Radverkehrsanlagen nicht vom Winterdienst berücksichtigt, sondern lediglich die Fahrbahnen. Dies betrifft z.B. die Veringstraße. Dort gibt es den Winterdienst mit Salzlauge nicht nur auf den für den Radverkehr angegeben Teilstücken, sondern auch auf den anderen Abschnitten - wegen des Buslinenverkehrs. Die meisten Straßen, deren Fahrbahnen regelmäßig vom Salz-Winterdienst versorgt werden, werden im Radverkehrswinterdienstprogramm jedoch nicht erwähnt.
  • Auf Zweirichtungsradwegen, wie z.B. entlang An der Alster im Verlauf der geplanten Velorouten 5 und 6, wurde bislang in nicht ausreichender Breite geräumt. 
  • Auf manchen Radverkehrsanlagen verbleibt das ausgebrachte Granulat noch Monate.

"Winterdienst"  auf dem benutzungspflichtigem Zweirichtungsradweg entlang An der Alster: Keine wirkliche Einladung zum Radfahren bei Schnee und Eis und danach - © Stefan Warda

"Winterdienst" auf dem benutzungspflichtigem Radweg Doormannsweg - © Stefan Warda


Fazit: Die bislang angekündigten Winterdienste für den Radverkehr waren bislang mehr Propaganda und Absichtserklärungen für Statistiken und vermeintliche "Erfolgs-Berichte" als tatsächlich durchgeführte Maßnahmen und standen demnach angekündigten Klimaschutzabkommen und deren Einhaltung nicht an.


Hamburger Radweg nach Granulatüberfall - © Stefan Warda

Veloroute 11 Monate nach Granulatüberfall - © Stefan Warda

Granulat auf der Veloroute 11 - © Stefan Warda

Granulat auf der Veloroute 11 - © Stefan Warda


Für die bevorstehende Wintersaison kündigt die Stadt Neuerungen an. Zum einen ist das Netz für den Radverkehrswinterdienst ausgedehnt worden, zum anderen soll versuchsweise ein neues Streumittel auf Radverkehrsanlagen zum Einsatz kommen. Laut Abendblatt will die Stadtreinigung erstmals Blähtonkügelchen anstelle von Granulat auf Radwegen verwenden. Nach Reinhard Fiedler, Sprecher der Stadtreinigung, habe Blähton den Vorteil, dass er seine abstumpfende Wirkung auch dann behalte, wenn das Eis auf dem Radweg überfriert. Sand werde dagegen bei Überfrieren auf dem Radweg genauso rutschig wie Eis. Ob Radfahrer nun weniger an den Rückständen des neuen Streumittels zu leiden haben, wird vielleicht der bevorstehende Winter zeigen.


Winterdienst in Kopenhagen mit Salz - © Stefan Warda

Salz auf Radwegen in Malmö - © Stefan Warda


Das aktuell angekündigte Winterdienststreckennetz für Hamburgs Radverkehr:




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Partei Die Linke fordert Kopenhagenisierung Norderstedts

Linke: Copenhagenize Norderstedt


Kopenhagen: Grüne Welle bei Tempo 20 - © Stefan Warda


Die norderstedter Linken wollen ihre Stadt kopenhagenisieren. Für den bevorstehenden Kommunalwahlkampf 2018 wurden diese Woche die Themenschwerpunkte bekanntgegeben. Demnach fordert Die Linke in Sachen Verkehr eine echte Kehrtwende: Mit Blick auf das Musterbeispiel Kopenhagen soll der Radverkehr massiv ausgebaut werden. Auf langen, zusammenhängenden Radstrecken will Die Linke eine „grüne Welle“ bei Tempo 20 und dort auch Vorrang vor dem Autoverkehr einführen. Außerdem strebt die Partei nach Angaben von Sprecher Olaf Harning ein günstiges „Norderstedt-Ticket“ für den ÖPNV und langfristig den fahrscheinlosen, heißt: kostenlosen Nahverkehr an. „Die Themen Nachhaltigkeit und ökologisches Handeln sollen aber in allen Arbeitsbereichen ganz nach vorne rücken“, betont Bilger einen weiteren Schwerpunkt der LINKEN. „Wir wollen die Stadt ja nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und Enkel gestalten!“


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14. November 2017

Hamburg: Testfahrt auf neuen Radspuren An der Verbindungsbahn

Hamburg: Test ride on new cycle lanes along An der Verbindungsbahn
Aktualisiert um 19:35 Uhr

Bundesstraße / Grindelallee: Neue Radspur - © Stefan Warda

Vom Gehwegradeln zum Radspurradeln

Die Straßenbauarbeiten entlang des Straßenzuges An der Verbindungsbahn und Bundesstraße zwischen Edmund-Siemers-Allee und Rentzelstraße sind nahezu komplett abgeschlossen. Restarbeiten laufen noch für die Nebenfläche zwischen Durchschnitt und Rentzelstraße, die dort neben Gehweg auch einen Radweg vorsieht. Aus Radfahrersicht hat sich der Straßenzug nun erheblich gewandelt. Sollte vorher auf dem schmalen Gehweg oder auf schmalsten meist mit abgestellten Fahrrädern und Mülltonnen blockierten, holprigen Fakeradwegen geradelt werden, gibt es nun ebene Radspuren  - allerdings direkt neben dem Schwerlastverkehr.


Bundesstraße: Neue Radspur - © Stefan Warda

Bundesstraße: Früherer benutzungspflichtiger Fakeradweg und regelwidriger Gehwegradler - © Stefan Warda

An der Verbindungsbahn / Bundesstraße: Neue Radspur getrennt vom nunmehr sehr schmalen Gehweg - © Stefan Warda

An der Verbindungsbahn / Bundesstraße: Vormals vorgeschriebenes Gehwegradeln - © Stefan Warda

An der Verbindungsbahn 6-5: Neue Radspur - © Stefan Warda

An der Verbindungsbahn 6-5: Zuvor Gehwegradelzwang auf sehr beengtem Gehweg - © Stefan Warda


Im Verlauf der Bundesstraße sind auf der Häuserseite einige Bäume erhalten geblieben. Angesichts des vorhandenen Straßenraums zwischen Häuserzeile und Bahndamm bzw. Bahnstrecke waren allerdings keine Wunder zu erwarten. Die anzahl der Fahrspuren ist geblieben. Für Fußgänger gibt es nur noch auf der Häuserseite eine Wegeverbindung. Auf der Bahnseite gibt es keinen Gehweg mehr. Für Radfahrer wurden beidseitig Radspuren eingerichtet. Ob dazu noch blaue Verkehrszeichen (VZ237) folgen werden, bleibt abzuwarten. Entlang der Stresemannstraße wurden die neuen Radfahrstreifen schließlich abschnittsweise mit der Benutzungspflicht versehen und somit für Autofahrer eindeutig als Radverkehrsanlagen markiert.

Die Vor- und Nachteile des vorherigen Zustands im Vergleich mit dem jetzigen Zustand

Zuvor Gehwegradeln und Fakeradwege
- Zu schmale "Radwege", oft blockiert durch Mülltonnen und geparkte Fahrräder: Unbenutzbarkeit führte daher zu regelmäßigem regelwidrigem Gehwegradeln neben dem unbenutzbarem benutzungspflichtigem Fakeradweg. Überholen langsamer Radfahrer war nicht möglich. Cargobikes passten nicht auf den Fakeradweg. Im Abschnitt zwischen Durchschnitt und Rentzelstraße verlief der schmale Fakeradweg in der Dooringzone benachbarter Stehzeuge, die auf dem vorherigen Radwegverlauf stehen durften. Der Abschnitt war zudem zusätzlich oft durch Wildparker blockiert gewesen, was wiederum zu regelwidrigem Gehwegradeln führte.
- Schlechte Oberflächenbeschaffenheit des Fakeradwegs.
- Konflikte mit Fußgängern auf dem Gehwegradelabschnitt: Keine ausreichende Breite für Hindernisse wie Verkehrsschilderpfosten, wie auch Fußgänger und Radfahrer. Zudem hatte der Gehweg oft nur eine maximale Breite von 1,5 Metern zwischen Hecke und Fahrbahn wegen mangelnder Grünpflege, sodass selbst das Überholen von oder Ausweichen um Fußgängern unmöglich war.
- Konflikte mit Fußgängern, z.B. am Drive-In-Briefkasten, an den benachbarten Furten an den Kreuzungen, usw.
- Kein Winterdienst auf dem Radweg.
- Stark verschwenkte Führung über die abbiegende Bundesstraße mit getrennten Ampelphasen über eine Mittelinsel.
- An das Fußgängertempo angepasste Räumzeiten für Radfahrer, dadurch für Radfahrer viel zu kurze Grünzeiten an den Lichtzeichenanlagen.
+ Trennung vom MIV durch Hochbord und Absperrbügel.
+ Drive-In-Briefkasten unmittelbar am Radweg.

Jetzt Radspurradeln
+ Glatte Oberflächen
+ Winterdienst auf Radspuren mit den in Hamburg üblichen Räumfahrzeugen möglich.
+ Direkte Führung über die abbiegende Bundesstraße.
+ Eigene Radfahrerlichtzeichen, länge Grünphasen für Radfahrer.
+ Keine Konflikte mit Fußgängern, Mülltonnen oder abgestellten Fahrrädern.
- Gefahr des Wildparkens möglich mangels baulicher Trennung.
- Direkte Nähe zum Schwerlastverkehr mag unsichere Radfahrer verunsichern.


An der Verbindungsbahn / Rentzelbrücke: Das Baustellenschild weist immer noch auf eine Sperrung hin, die Radspur ist jedoch befahrbar - © Stefan Warda

An der Verbindungsbahn / Rentzelbrücke: Übergang vom Radweg auf die Radspur - © Stefan Warda

An der Verbindungsbahn: Neue Radspur - © Stefan Warda

An der Verbindungsbahn / Bundesstraße - © Stefan Warda

Bundesstraße - © Stefan Warda

Bundesstraße: Neue Radspur könnte wohl mal von Laub befreit werden - © Stefan Warda

Bundesstraße - © Stefan Warda

Bundesstraße / Edmund-Siemers-Allee: Die Radspur soll über die Edmund-Siemers-Allee zum Theodor-Heuß-Platz verlängert werden. Radfahrer Richtung Innenstadt werden zukünftig dann nicht mehr auf die linke Straßenseite wechseln müssen - © Stefan Warda



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